Nach Jahrzehnten habe ich mich wieder an einen Versuch gewagt, ein Bild von August Macke zu malen. Dieses Mal fiel meine Wahl auf sein Werk „Vier Mädchen“ von 1912/13.
Das Original zeigt vier junge Frauen in einem Garten. Ihre Gesichter sind sanft, fast träumerisch. Die Farben wirken klar, beinahe leuchtend – Rot, Blau, Weiß, Gelb. Die Natur bildet eine lebendige Kulisse, aber nicht in realistischer Schärfe, sondern als rhythmisches Geflecht aus Formen und Flächen. Macke gelingt es, die Szene zeitlos und leicht wirken zu lassen, als ob der Augenblick für immer festgehalten wäre.
Für mich bedeutet es, in die Welt dieses Malers einzutauchen. Ich versuche nachzuvollziehen, wie er gemalt hat, welche Gedanken er vielleicht hatte, und was er mit diesem Werk ausdrücken wollte. Doch irgendwann, während ich male, verliere ich mich in der Arbeit. Das Bild beginnt, eine eigene Stimme zu entwickeln. Meine Pinselstriche tragen nicht mehr nur Mackes Handschrift, sondern auch meine eigene.
Manchmal brauche ich Pausen. Ich merke, wie fordernd es ist, sich so tief auf eine Leinwand einzulassen. Malen kann anstrengend sein, körperlich und geistig. Und gleichzeitig gibt es diese anderen Momente: Wenn ich jedes Gefühl für Zeit verliere. Wenn ich einfach weitermache, Stunde um Stunde, weil mich die Farben, Formen und Linien nicht mehr loslassen.
Am Ende bleibt ein Bild, das irgendwo zwischen August Macke und mir steht. Ein Versuch, ein Dialog, ein Weitererzählen. Und genau darin liegt für mich die Magie: Dass Kunst nicht stillsteht, sondern sich jedes Mal neu erfindet – im Original, in der Kopie, und in allem, was dazwischen entsteht.
Four Girls – My Way Back to August Macke
After decades, I once again dared to try painting a work by August Macke. This time, I chose his piece “Four Girls” from 1912/13.
The original shows four young women in a garden. Their faces are gentle, almost dreamy. The colors are clear, almost glowing – red, blue, white, yellow. Nature forms a lively backdrop, not in realistic detail, but as a rhythmic interplay of shapes and surfaces. Macke manages to make the scene feel timeless and light, as if the moment could last forever.
For me, it’s about immersing myself in the world of this painter. I try to understand how he painted, what thoughts might have guided him, and what he wanted to express with this work. But at some point, while I’m painting, I lose myself in the process. The painting begins to take on a life of its own. My brushstrokes no longer carry only Macke’s signature, but also my own.
Sometimes I need to take breaks. I notice how demanding it is to fully engage with a canvas. Painting can be exhausting, physically and mentally. And then there are those other moments: when I lose all sense of time. When I just keep going, hour after hour, because the colors, shapes, and lines won’t let me stop.
In the end, a painting remains that stands somewhere between August Macke and me. An attempt, a dialogue, a continuation. And for me, that’s where the magic lies: art never stands still, it reinvents itself every time – in the original, in the copy, and in everything that emerges in between.

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